Katholiken und das Jubiläum der Reformation

Wort zum Sonntag von Pfarrer Christian Piegenschke

Wort zum Sonntag in den Cuxhavener Nachrichten (04.11.2017)

Ekklesia semper reformanda

Katholiken und das Jubiläum der Reformation


Am letzten Dienstag ist das 500. Reformationsjubiläum zu Ende gegangen, hier in Cuxhaven mit einem festlichen Bach-Kantaten-Gottesdienst ohne Abendmahl in der sehr vollen Petrikirche. Ich als katholischer Pfarrer bin zwar nicht eigens eingeladen worden, war aber trotzdem dabei.

Es wurde kein Evangelium vorgetragen, dafür aber ein für Martin Luther sehr entscheidender Text aus dem Römerbrief. Die Predigt von Pastor Manfred Gruhn war dann auch so eine richtig evangelische Predigt. Sie hat mir sehr gut gefallen. Jedes seiner Worte kann ich voll und ganz unterschreiben. Mehr noch: Diese Predigt hätte auch als eine katholische durchgehen können.

Wir Katholiken stehen diesem Reformationsjubiläum mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber. Denn die Kirchenspaltung, die Martin Luther zwar selbst nicht gewollt, aber immerhin entscheidend mitverursacht hat, ist ja für uns kein Grund zum Feiern.

Aus Rücksicht auf uns Katholiken das Reformationsjubiläum „Christusfest“ zu nennen, halte ich zwar für eine nette Geste, aber doch auch für Etikettenschwindel. Christusfeste, die man gemeinsam feiern könnte, aber nicht feiert, gäbe es im Laufe des Kirchenjahres ja viele.

Nein, beim Reformationsjubiläum geht es aus meiner Sicht nicht primär darum, Christus zu feiern, sondern eben die Reformation, die Erneuerung. Luther wollte eine neue Sicht auf Christus, den Glauben und die Kirche. Damit hat er die damals katholische Kirche herausgefordert. Und: Wir haben verstanden.

Die katholische Kirche hat sich mühsam und unter Schmerzen gewandelt. Das geschah auf den großen Konzilien in Trient und im Vatikan, durch bedeutende Menschen wie z. B. Ignatius, dem Gründer des Jesuitenordens, und durch eine Vielzahl von Erneuerungsbewegungen. Seitdem gilt auch für uns Katholiken, hochamtlich erklärt durch das letzte Konzil: Ekklesia semper reformanda (Die Kirche ist eine immer zu reformierende).

Wenn es bei dem Reformationsjubiläum also nicht nur darum gegangen ist, an die Ereignisse von vor 500 Jahren zu erinnern, sondern auch daran, dass die Reformation eine ständige Aufgabe ist, auch heute, auch für die Kirchen der Reformation selbst, dann haben wir Katholiken dieses große Ereignis gerne gedenkend und dankend begleitet.